Kapitel 5
Der Treffpunkt

3 Volksgruppen | 2 Technologien | 1 Reporterin

Nachdem Taé in Sicherheit war, konnten sie sich wieder der Ermittlungsarbeit zuwenden. Sie brachten die Waffe ins Labor, wo Mike schon auf sie wartete. Er nahm die Waffe entgegen und bat darum, in nächster Zeit nicht gestört zu werden. Nach einigen Stunden bat Mike alle in das Besprechungszimmer. Er hatte die Waffe vor sich auf dem Tisch liegen.

Anders stutzte einen Moment, als er Bianca sah, die gerade im DIID-Gebäude angekommen war. Sie erwiderte seinen Blick allerdings nicht.

»Sehr geehrte Damen und Herren«, dozierte Mike. »Was Sie hier sehen, dürfte nach Friedensvertrag und Kriegswaffenvernichtungsabkommen eigentlich gar nicht existieren.« 

Er blickte zu Jean-Jacques. »Jay Jay, was ist das für eine Waffe?«, fragte er.

Jean-Jacques antwortete, dass es sich wohl um eine terranische Plasmaschusswaffe handeln würde, wobei allerdings an der Waffe augenscheinlich gewisse Modifikationen vorgenommen wurden.

Mike pflichtete ihm bei und fragte: »Wovon haben die Waffenentwickler beider Kriegsparteien immer geträumt, aber schlussendlich nie erreicht?« 

Er machte eine Kunstpause und blickte in die Runde.

»Genau«, antwortete er sich selbst, »terranische Plasmaschusstechnik mit tronischer Scantechnik zu kombinieren, um eine perfekte Waffe zu schaffen, die gezielt personenbezogen eingesetzt werden kann.« 

Jean-Jacques und Toĝòf schauten einander an und nickten zustimmend.

»Nun, was ihr hier vor euch seht, ist das Ergebnis dieser Symbiose der zwei Technologien, auch wenn es sich augenscheinlich um einen noch etwas unhandlichen Prototyp handelt.« 

»Langsam begreife ich: Die Geschosse sind – um die Ecke geflogen«, stammelte Jean-Jacques.

»Jay Jay, das scheint die eigentliche Neuerung zu sein.« Mike zeigte ein vergrößertes Bild des Geschosses auf dem großen Wandmonitor. Er erläuterte, dass die Geschosse eine Art Höhen- und Seitenleitwerk zur Steuerung der Flugbahn besaßen.

Des weiteren hätten die Geschosse einen DNS-Scanner eingebaut, der mit dem in der Waffe befindlichen Steuerrechner kommuniziert. Offensichtlich sollte durch einen Streifschuss zunächst Blut aufgenommen, dadurch die DNS einer Zielperson analysiert und dann diese Zielperson gezielt unter Beschuss genommen werden. Man könnte außerdem in die Waffe eine oder wahrscheinlich auch mehrere DNS-Sequenzen eingeben, nach denen dann die Geschosse gezielt suchen sollten.

»Toĝòf, ich konnte noch Teile deiner Sequenz aus dem Datenspeicher der Waffe auslesen, du warst also offensichtlich als Primärziel einprogrammiert gewesen. Ich nehme an, ihr seid nur deswegen mit dem Leben davongekommen, weil dieser Prototyp offensichtlich noch nicht ganz ausgereift ist. Außerdem war Toĝòf im Lagerhaus ja gar nicht dabei gewesen. Durch Analyse der Steuerprogramme sowohl der Waffe als auch der Geschosse konnte ich noch einige Fehler im Programmcode entdecken, durch die wahrscheinlich…« 

»Ich verstehe kein Wort. Was bedeutet das jetzt genau?«, unterbrach ihn Bianca.

Erst jetzt bemerkten sie, dass Bianca ebenfalls in den Besprechungsraum gekommen war.

Mike blickte zu ihr und antwortete: »Nun, kurz gesagt: Die Kugeln können um die Ecke fliegen und es steht dein Name drauf!« 

Bianca schaute Anders an.

»Du also«, sagte sie eisig. »Es war ja klar, dass du hier beim DIID in irgend einer Art und Weise in das alles verwickelt bist!« 

»Ich freue mich auch, dich zu sehen«, entgegnete Anders.

Mike fragte Jean-Jacques flüsternd: »Was ist denn in die beiden gefahren?« 

»Wie verhalten sie sich wohl? Eben wie ein geschiedenes Ehepaar, das sich nach einiger Zeit wiedertrifft.« 

»Moment mal, diese Fernseh-Tussi ist seine Ex?«, fragte Mike fassungslos. Größenmäßig passte sie ja eigentlich bestens zum Zwei-Meter-Mann Anders.

Bianca bekam einen roten Kopf und stieß Anders gegen eine Wand. Toĝòf und Jean-Jacques zogen zeitgleich ihre Waffen, doch er wies sie mit einer kurzen Handbewegung zurück.

»Was ist hier los?«, schrie Bianca und ihr Kopf wurde rot. »Ich fasse kurz einmal zusammen: Polizisten töten andere Polizisten! Polizisten entführen und töten die Familie eines anderen Polizisten! Es gibt Waffen, die es eigentlich gar nicht geben dürfte – mit um die Ecke fliegenden Kugeln!« 

Ihre Stimme überschlug sich. »Und es gibt eine andere Entführung, die keine ist! Es gibt ein Raumschiff, das wahrscheinlich als Kommandozentrale für einen Krieg gebaut wurde und das es auch nicht geben dürfte!« 

Sie stieß ihn erneut gegen die Wand und sagte leise weinend: »Wir alle haben noch diesen verdammten Krieg vor Augen. Er ist erst ein paar Jahre her und ich glaube, jeder von uns möchte das nicht noch einmal erleben. Bitte sagt mir, was hier los ist.« 

Anders nahm Bianca in seine Arme und blickte herüber zu Jean-Jacques.

»Bianca, ich gehe davon aus, dass dies die Story deines Lebens wird«, stellte Jean-Jacques fest. »Beziehungsweise: sein könnte. Leider sind, wie du auch schon feststellen durftest, die Fakten an sich so bizarr, dass sie dir wahrscheinlich keiner abkaufen würde. Und leider ist anzunehmen, dass die Veröffentlichung dich – und uns – in nicht unerhebliche Lebensgefahr bringen würde.« 

Er setzte sich und fuhr fort: »Nun gut, ich fasse zusammen: Nach der bisherigen Ermittlungslage müssen wir davon ausgehen, dass kaisertreue Separatisten einen Putsch gegen die trilaterale Übergangsregierung planen. Wir müssen darüber hinaus bedauerlicherweise feststellen, dass sich die Putschisten offensichtlich aus Vertretern aller drei Volksgruppen – Troner, Terraner und Nèk’h – zusammensetzen. Wir haben aber noch keine Erkenntnisse, wer genau dahinter steckt, also ob die Polizei, das Militär, das DIID oder irgendwelche Untergrund-Milizen, Privatarmeen, Söldner oder wer auch immer involviert sind. Auch wissen wir zur Zeit auch noch nicht, wer der Kopf oder die Köpfe des Ganzen sind. Und ich habe überhaupt keinen Schimmer, wie das gestohlene Schiff oder die Entführung dazu passen.« 

Toĝòf nickte zustimmend und blickte auf den Boden. Er meinte: »Mit dem Wissen wächst der Zweifel.« 

»Toĝòf, das ist doch bestimmt nicht von dir! Wer hat das jetzt also gesagt?«, fragte Mike, der Toĝòfs Zitatwissen immer wieder erstaunlich fand.

»Du hat recht, es war ein großer terranischer Poet, Johann Wolfgang von Goethe.« 

Mike hatte den Verdacht, dass Toĝòf womöglich mehr klassische terranische Literatur als er selbst gelesen hatte. Wahrscheinlich aber kannte er dafür kein einziges Manhwa, einen koreanischen Comic, verwandt mit dem japanischen Manga.

Die Teammitglieder hatten vor einiger Zeit verschiedene Treffpunkte und Ausweichquartiere bestimmt, falls es im Rahmen von Ermittlungen einmal einen Punkt geben würde, an dem die Weiterarbeit zu gefährlich würde – auch in einem an sich geschützten Bereich, wie einem DIID-Gebäude.

»Jetzt sind wir leider genau an diesem Punkt angelangt«, dachte Anders laut.

Alle schauten ihn erstaunt an.

»Wo sind wir angelangt?«, wollte Bianca wissen.

»Oh, Entschuldigung, ich hatte wohl laut gedacht.« 

Gespannte Stille lag über der Gruppe und alle schauten Anders an. Er blickte in die Runde.

Schließlich sagte er leise: »Also gut: Ich hätte nie gedacht, dass diese Maßnahme notwendig ist, aber hier wird es mir definitiv zu heiß. Also packt schnell zusammen und dann raus hier. Treffpunkt vier um siebenundzwanzig. Bis dahin Kommunikationssperre, das bedeutet: Klappe halten und Komlets aus; am Besten, die Dinger gleich zuhause lassen. Und nur das Nötigste einpacken. Mike, Nèřá: ihr holt Toĝòfs Tochter, wo immer ihr auch sie versteckt haltet. Und AirCars hast du ja irgendwie besorgt.« 

Er wandte sich zu Bianca und wischte ihr eine Träne von der Wange. »Und du – kommst mit mir!« 

Mike hatte aus einer seiner dubiosen Quellen seiner Undercoverzeit ein paar ältere und nicht zu ihnen zurückverfolgbare AirCars organisiert und so ließen alle ihre eigenen oder die Dienst-AirCars des DIID im DIID-Parkhaus stehen.

Mike und Nèřá flogen sofort zu Mikes Großmutter, wieder mit mehreren Transponderwechseln und mit einigen Umwegen, um sicherzustellen, dass ihnen garantiert niemand gefolgt war. Nèřá fand den Aufwand recht übertrieben und war ungehalten über die Umständlichkeit, mit der sie sich fortbewegten.

Mike sah es ihrem Gesichtsausdruck an. Er stoppte den AirCar in einer Seitenstraße.

»Hör’ mal zu«, begann er. »Es ist auch mir nicht wirklich angenehm, welchen Aufwand wir betreiben müssen, um uns vor Unseresgleichen – also staatlichen Organen – zu verstecken!« 

Nèřá schaute ihn mit ihren großen blauen Augen an.

»Kannst du vorhersehen«, fuhr er fort, »wozu die Gegenseite noch im Stande ist? Eine Entführung von Angehörigen eines DIID-Agents ist schon eine nicht so einfach durchzuziehende Geschichte. Wer weiß, auf was für Gedanken die noch so kommen.« 

Sie flüsterte: »Du hast ja Recht. Lass’ uns weiterfliegen.« 

Mike startete und sie setzten ihren Flug fort. Wiederum als Pizza-Service getarnt (»Man muss ja eine gewisse Kontinuität wahren«, witzelte Mike) kamen sie bei Mikes Großmutter an. Nèřá bemerkte, dass Mike dies alles sichtlich Spaß zu bereiten schien. Es hatte wohl etwas mit seiner früheren Undercover-Tätigkeit zu tun, von der er ihr erzählt hatte.

Als Mikes Großmutter die Tür öffnete, bekam Mike einen kleinen Schock. Niemand, auch nicht ihr Vater, durfte mir ihr Kontakt aufnehmen, um sie zu schützen. Daher trug Taé noch die Kleidungsstücke von Mikes ehemaliger Freundin, die sie von Mikes Großmutter bekommen hatte. Mike kamen wieder die Erinnerungen an sie – und vor allem an die Trennung von ihr – wieder hoch, als er Taé sah. Er war wie gelähmt und löste sich erst wieder aus seiner Starre, als Nèřá ihm ihren Ellenbogen in die Rippen stieß.

Seine Großmutter trug nicht wirklich zur Besserung der Lage bei, als sie Nèřá sah und fragte: »Sie ist jetzt doch aber deine neue Freundin, oder?« 

Mike wurde schlagartig rot im Gesicht, was Nèřá recht süß fand.

»Oma, hörst du bitte auf!«, stieß er wütend hervor.

Zum Abschied umarmte Taé Mikes Großmutter lange.

»Deine Oma ist doch so lieb!«, meinte sie zu Mike, der als Erwiderung nur eine Grimasse zog.

Ihre Wunden auf den Fußsohlen waren dank der intensiven Pflege durch Mikes Großmutter fast vollständig verheilt, so dass sie wieder gehen konnte. Somit blieb Mike die Peinlichkeit erspart, sie auf den Arm nehmen zu müssen. Er hatte Nèřás und sein Komlet direkt zusammengeschaltet, so dass sie ständig in Kontakt bleiben konnten.

Nèřá ging langsam mit gezogener Waffe in den Hausflur vor.

»Flur ist frei, ihr könnt nachkommen«, meldete sie Mike über das Komlet.

Ohne auch nur einer einzigen Person zu begegnen, kamen sie in der Garage beim AirCar an. Nèřá setzte sich zu Taé auf den Rücksitz und Mike startete.

Nacheinander kamen alle am »Treffpunkt vier« an, einem großen Trümmergrundstück in der Nähe des Spaceports.

Jean-Jacques kannte zwar einige Wohnungen, die das DIID unter anderem für den Zeugenschutz benutzte, leider hatte aber Anders bisher noch nicht festgelegt, welche dieser Wohnungen sie jetzt beziehen sollten. Da es wahrscheinlich außer Toĝòf noch eine undichte Stelle im DIID zu geben schien, war es nicht unwahrscheinlich, dass diese Wohnungen auch dieser Person oder diesen Personen bekannt waren. Also kamen diese Wohnungen eigentlich nicht in Frage.

»Wir haben doch nichts zu verbergen! Warum müssen wir uns eigentlich verstecken?«, fragte Taé naiv.

»Das ist so nicht ganz korrekt!«, meinte Mike. »Ob du etwas zu verbergen hast, entscheidest nicht du. Das entscheiden andere für dich!« 

»Mike, deine und Toĝòfs Lebensweisheiten haben manchmal etwas Beunruhigendes«, stellte Jean-Jacques fest.

Taé ließ nicht locker. »Und was machen wir offiziell? Ich meine, wir können ja nicht einfach allen sagen, dass wir eine Weile untertauchen müssen.« 

»Offiziell machen wir einen kleinen gemeinsamen Urlaub mit Familienangehörigen, wegen Teambildung und so«, sagte Anders.

Toĝòf hatte versichert, Informationen zu ihren Treffpunkten nicht weitergegeben zu haben, trotzdem begaben sich Jean-Jacques und er auf eine Runde um das Gelände.

Jean-Jacques schaute sich im Vorbeilaufen die Trümmer an.

»Was kann denn so eine Zerstörung verursacht haben?«, fragte er »Die Schäden stammen nicht von einer unseren Waffen, soweit ich das erkennen kann. Toĝòf, habt ihr eure eigenen Leute beschossen?« 

Toĝòf sah ihn nur stumm an. Dann bemerkte Jean-Jacques etwas, was sie veranlasste, sofort zu den anderen zurückzulaufen.

»In der Parallelstraße ist eine TCPD-Streife, die näher kommt! Versteckt euch!«, rief er.

In der Ferne sah man einen eindeutig als TCPD-Streifenwagen erkennbaren AirCar, der langsam an Hausfronten vorbeischwebte und dessen Suchscheinwerfer in die Häuser leuchtete. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie entdeckt würden.

Mike schimpfte: »Das hat uns gerade noch gefehlt!« 

Er holte einen Rechner aus seinem Rucksack, startete ein Programm und gab ihn Nèřá.

»Das Programm zeigt die Position von allen Fahrzeugen von Ermittlungsbehörden an. Hier unten in der Mitte sind wir, da oben rechts ist der Spaceport. Das rote sind die TCPD-Fahrzeuge, grün wäre DIID, blau wäre SkyPatrol. Welche siehst du in unserer Nähe?« 

Er holte einen weiteren Rechner aus seinem Rucksack und fing an, hektisch darauf herumzutippen.

Nèřá antwortete: »Zwei Mal TCPD. 19N97, das ist der mit dem Suchscheinwerfer. Dann noch 20C14, zwei Querstraßen weiter; der kommt auch immer näher. Kein DIID, kein SkyPatrol.« 

»Was können wir tun? Wie können wir sie ablenken?«, fragte Anders, der sichtlich beunruhigt war.

»Alle Ampeln im Bereich des Spaceports sind jetzt auf Rot, in alle Richtungen, nichts geht mehr! Ich übernehme jetzt einen unbesetzten Disponentenplatz in der Notrufzentrale und beordere von dort aus 19N97 und 20C14 zu einer großen Kreuzung nahe beim Spaceport.« 

Der TCPD-AirCar schaltete kurz darauf tatsächlich seinen Suchscheinwerfer aus, sein Blaulicht an, schwenkte von ihnen weg und flog davon.

Nèřá beobachtete auf ihrem Rechner, wie auch der andere AirCar sich in Richtung Spaceport bewegte.

»Haha, es funktioniert! Jetzt gibt es hoffentlich nicht noch mehr ungebetene Gäs…«, jubelte Mike.

Er wurde jäh unterbrochen, als eine unbeleuchtete stellare Kleinfähre – er wunderte sich, wie sie durch die SkyPatrol-Überwachung geschlüpft war – aus den Wolken hervorschwebte. Sie landete direkt vor ihnen und wirbelte eine große Staubwolke auf. Jean-Jacques Toĝòf und Nèřá zogen ihre Waffen und richteten sie auf die Tür der Fähre, die sich nun langsam öffnete.

Die Überraschung war groß, als Taïrè aus der Tür schaute. Mike kannte sie zwar nur von den Bildern aus ihren Akten, aber ihre Gesichtszüge waren unverkennbar.

»Hallo Anders!«, rief sie.

Alle Blicke richteten sich auf ihn und er meinte stockend: »Wir hatten … Kontakt.« 

»Na so ein Zufall aber auch…«, meinte Mike.

»Ich wollte nicht wissen, wo ihr Taé untergebracht hattet, dafür brauchtet ihr nicht zu wissen, dass ich Kontakt zu Taïrè hatte. Derzeit ist es einfach besser, dass jeder so wenig wie möglich von irgend etwas Kenntnis hat.« 

Mike wandte sich an Taïrè. »Du gehst ein sehr großes Risiko ein, nach Tronòc zu kommen und uns hier abholen zu wollen. Ihr beiden seid schließlich die meistgesuchten Personen in zwei Sonnensystemen!« 

Die Fähre bot eigentlich zu wenig Platz für alle Personen und ihr Gepäck, daher saßen alle eher auf- als nebeneinander. Taé genoss es aber sichtlich, auf Jean-Jacques’ Schoß zu sitzen. Nèřá war eingedöst und ihr Kopf war auf Mikes Schulter gesunken. Die Berührung empfand er durchaus als nicht unangenehm. Sie wurde leider etwas schwächer, als sie den Gravitationseinfluss des Planeten verließen und die Schwerelosigkeit erreichten.

Sie waren vom Spaceport gut weggekommen, ohne von der SkyPatrol oder jemand anderem aufgehalten worden zu sein. Dabei hatten hatten sie Glück gehabt, wie Mike herausfand. Der Fährentransponder sendete ein Zusatzsignal Sondergenehmigung der Regierung, so dass sie wahrscheinlich deswegen bisher unbehelligt durchgekommen waren. Warum die Fähre, die nach Taïrès Angaben zum gestohlenen Schiff gehörte, nicht auch in die sofortige Fahndung aufgenommen wurde, blieb aber unklar; wahrscheinlich hatte man die Fähre schlichtweg vergessen. Mike hatte dennoch ein ungutes Gefühl in der Magengegend, was nicht nur von der Schwerelosigkeit herrührte, sondern er hatte Angst, doch entdeckt zu werden. Er hatte sich auf jeden Fall vorgenommen, für den Rückflug nach Tronòc – falls sie tatsächlich wieder zurückkehren wollten oder konnten – den Transponder entsprechend zu modifizieren. Was mit einem AirCar-Transponder machbar war, so seine Theorie, musste eigentlich auch mit einem Raumschifftransponder funktionieren.

Der Flug dauerte etwa sieben Stunden, wobei Taïrè nicht den direkten Weg nahm, sondern erst mehrere andere Asteroiden anflog und dabei mehrere Schleifen drehte. Auch wer nicht so sehr anfällig für die Seekrankheit war, bekam doch durch die fortwährenden Schubwechsel und die ab- und anschwellende Schwerelosigkeit leichte Übelkeitsattacken.

Sie wurden tatsächlich von niemanden verfolgt, so dass die Schlussetappe angegangen werden konnte. Taïrè flog tiefer in das Asteroidenfeld hinein und gab jetzt auch das Ziel ihrer Reise bekannt.

»Unser gestohlenes Schiff ist in einem Schiffswrack aus dem Krieg versteckt, welches in einen tiefen Asteroidenkrater abgestürzt war.« 

»Oh, nettes Versteck!«, musste Mike noch seinen Senf dazugeben.